Historie

Familie Pfungst – Aus Tradition der Bildung verpflichtet

Im Jahr 1871 wurde von dem jüdischen Unternehmer Julius Pfungst und seiner Frau Rosette die NAXOS-UNION mit Sitz in der Wittelsbacher Allee in Frankfurt am Main gegründet. Das Unternehmen besaß die Alleinvertriebsrechte für Naturschmirgel von der Insel NAXOS, der in Frankfurt zu Schleifkörpern verarbeitet wurde. Ab etwa 1880 wurde die Unternehmenstätigkeit auf die Produktion von Schleifmaschinen ausgeweitet.

Im Jahr 1899 übernahm Dr. Arthur Pfungst nach dem Tod seines Vaters die Leitung des Unternehmens. Der damals 35-Jährige war promovierter Naturwissenschaftler (Chemie und Mathematik), betätigte sich in hohem Maße aber auch als Dichter, Publizist und Verleger. Er hatte  bereits  in seiner  Zeit  erkannt,  dass  Bildung ausschließlich den gehobenen Gesellschaftsschichten mit entsprechenden finanziellen Möglichkeiten vorbehalten war. Durch die finanzielle Förderung von Freibibliotheken, Lesehallen und Volkshäusern setzte er sich für den Zugang zur Bildung auch für die unterprivilegierten Schichten ein.

Ariadne auf NAXOS

Dr. Arthur Pfungst starb bereits im Jahr 1912 im Alter von 48 Jahren. Seine Mutter Rosette und seine Schwester Marie übernahmen die Leitung der NAXOS-UNION. Beide gründeten  am 2. August 1918 eine Stiftung, der sie das gesamte Firmenvermögen der NAXOS-UNION übertrugen. Im Gedenken an den verstorbenen Sohn und Bruder Arthur wurde die Stiftung nach ihm benannt. Ziel der Stiftungsgründung war es, „dem Wohl der Allgemeinheit durch Verbreitung von Bildung unter allen Schichten des Volkes“ zu dienen.

Obwohl Marie Pfungst im Jahr 1935 auf Druck der Nationalsozialisten als letzte Vertreterin der jüdischen Gründerfamilie die Unternehmensleitung abgeben musste und die Firmenstandorte während des zweiten Weltkriegs stark zerstört wurden, war die Stiftung in ihrem Bestand nicht gefährdet. Marie Pfungst musste zwar auch den Stiftungsvorsitz niederlegen, aber da die Förderungen der Stiftung unabhängig von einer bestimmten Religionszugehörigkeit vergeben wurden, blieb die Stiftung als solche unter dem Namen Waldschmidt-Stiftung erhalten. Nach 1945 erhielt die Stiftung wieder ihren ursprünglichen Namen.

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Anfang der Fünfzigerjahre waren die Fabrikstandorte wieder weitgehend aufgebaut. Im Jahr 1989 erfolgte die Umwandlung der NAXOS-UNION in eine Aktiengesellschaft, und 1991 wurden die Anteile an eine Industriellengruppe veräußert. Seither finanziert die Stiftung ihre Projekte überwiegend durch die Erträge aus Immobilien und Kapitalanlagen.

Die Idee der Familie Pfungst, Bildung für alle Gesellschaftsschichten zugänglich zu machen, lebt heute durch die Stiftung weiter und wird durch das Stipendienprogramm verwirklicht.

Zeittafel

1871: Gründung der NAXOS-UNION

1899: Übernahme der Firmenleitung durch Dr. Arthur Pfungst

1912: Todesjahr Dr. Arthur Pfungst

1918: Stiftungsgründung und Einbringung des Betriebsvermögens der NAXOS-UNION in die Stiftung

1965: Gründung der technischen Bibliothek für Mitarbeiter der Schleifmittelwerke und der Maschinenfabrik der NAXOS-UNION

1989: Umwandlung der NAXOS-UNION in eine Aktiengesellschaft

1991: Verkauf der Anteile an der NAXOS-UNION und Umschichtung des Stiftungsvermögens

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der NAXOS-UNION und die Maschinenhalle (NAXOS-Halle) stehen unter Denkmalschutz und bestehen bis heute.

NAXOS+UNION_Fabrik