
Bild: © Gerd Scheffler
Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe blicken wir auf einen besonderen Abend in Bad Homburg zurück. Die große Resonanz auf die Veranstaltung „Maries Vermächtnis“ hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig die Erinnerung an das Wirken der Familie Pfungst bis heute ist. Dass dieses Vermächtnis bis in die Gegenwart hineinwirkt, zeigt auch das Marie Pfungst-Heim, das seit vielen Jahrzehnten älteren Frauen ein Zuhause bietet und bis heute dem sozialen Engagement von Marie Pfungst verpflichtet ist.
Gemeinschaft und Austausch standen auch bei unserer diesjährigen Wochenendfahrt im Odenwald im Mittelpunkt. Stipendiatin Rovena Aziri berichtet von inspirierenden Gesprächen, spannenden Impulsen und wertvollen Denkanstößen, die das gemeinsame Wochenende geprägt haben.
Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das Mentoring-Programm der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung. Unter dem Motto „Erfahrungen teilen. Zukunft gestalten“ bringen wir aktuelle Stipendiatinnen und Stipendiaten mit Alumni zusammen. Das Programm schafft Raum für Orientierung, persönlichen Austausch und gegenseitiges Lernen und stärkt zugleich das generationsübergreifende Netzwerk unserer Stiftung. Wir stellen das Programm vor.
Wir laden Sie herzlich ein, unsere neue Webseite zu entdecken und wünschen
Ihnen eine schöne Sommerzeit!
Herzlichst
Maximilian Graeve
Geschäftsführer
„Maries Vermächtnis“ – Erinnerung, Geschichte und Gegenwart: Ein besonderer Abend in Bad Homburg
Seit der Premiere im September 2025 wird der Film „Maries Vermächtnis“ bei zahlreichen Veranstaltungen gezeigt und findet immer wieder großen Anklang – so auch bei einer Veranstaltung mit dem Verein für Geschichte und Landeskunde in Bad Homburg, wo Marie Pfungst einst ihr Sommerhaus hatte. Heute steht auf dem Grundstück das Marie Pfungst-Heim, das alleinstehenden Damen kostengünstigen Wohnraum bietet.
Anfang Mai 2026 fand in Bad Homburg die Veranstaltung „Maries Vermächtnis“ statt, die mit über 100 Teilnehmenden auf großes Interesse stieß. Nach einer Begrüßung durch Gregor Maier, Fachbereichsleiter Kultur des Kreisausschuss Hochtaunuskreis und Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg von der Höhe, und einer Einführung durch Historikerin Angelika Rieber wurde der Film „Maries Vermächtnis“ gezeigt. Der Film entstand im Auftrag der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung, zusätzlich gefördert von der Hertie-Stiftung. Anschließend moderierte Heike Zinke, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit, ein Podiumsgespräch mit Filmemacherin und Alumna Dr. Ina Knobloch und Maximilian Graeve, Geschäftsführer der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung. Eine thematische Stadtführung mit Ulrike Koberg zum „Jüdischen Leben in Bad Homburg“ rundete das Programm ab.
Das durchweg positive Feedback zeigt: Die Erinnerung an engagierte Persönlichkeiten wie Marie Pfungst bleibt wichtig und lebendig. Vielen Dank an alle Mitwirkenden und Gäste für diesen gelungenen Abend!




Bilder: © Anne Hoffmann

Das Marie Pfungst-Heim:
Marie Pfungst bestimmte in ihrem Testament, dass auf ihrem Sommerhausgrundstück in Bad Homburg alleinstehenden Frauen ein Wohnheim zu günstigen Mietpreisen zur Verfügung stehen soll. Seit 1954 wird das Marie Pfungst-Heim von der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung unterhalten. Im Haus befinden sich elf Appartements sowie Gemeinschaftsräume. In regelmäßigen Abständen finden Feiern und gemeinsame Ausflüge statt. Bewerben können sich alleinstehende Damen ab ca. 65 Jahren, die nach langer Berufstätigkeit nur ein geringes Einkommen zur Verfügung haben. Da im Haus keinerlei Pflegeleistungen erbracht werden, versorgen sie sich selbst.

Unsere Wochenendfahrt hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der Austausch innerhalb unserer Stipendiatengemeinschaft ist. Stipendiatin Rovena Aziri nimmt uns mit in den Odenwald und teilt ihre Eindrücke.
Erfahrungsbericht
von Rovena Aziri
Ende Mai ging es endlich los. Wir Stipendiaten kamen nach und nach in der Mühle Bachprinz an und bezogen unsere Zimmer im Selbstversorgerhaus. Dieses liegt abgeschieden in Ober-Ramstadt im Odenwald. Mich hat hier insbesondere die Natur in unmittelbarer Umgebung beeindruckt. Die Landschaft war von leichten Hügeln durchzogen, welche dem Ort eine sehr idyllische Atmosphäre verliehen. Was ich besonders schön fand war, dass wir von unseren Zimmern aus das Rauschen der Modau hören konnten. Als wir unser Gepäck zum größten Teil verstaut hatten, begannen wir mit den Vorbereitungen für das Grillen. Währenddessen sah ich viele bekannte Gesichter wieder und kam mit dem ein oder anderen ins Gespräch. Hierbei waren Themen wie Auslandssemester, Abschlussarbeiten, Einstieg in das Berufsleben und Promotion aktuell. Zum Abend hin aßen wir im Garten und ließen gemeinsam den ersten Tag ausklingen.
Am Samstag stand der Workshop „Stress und Mental Health“ von Laura Fonzetti und am Abend ein Impuls von Stipendiatin Sandra Kebede auf dem Plan.
Im Workshop war zuerst die Koexistenz von Stress und Produktivität Thema. Hierbei erfuhren wir, dass ein gewisses Stresslevel gut für unsere kognitive und körperliche Leistung ist. Ich fand diese Erklärung besonders wertvoll, da es mich daran erinnert hat, regelmäßig innezuhalten, das eigene Stresslevel bewusst wahrzunehmen und zu erkennen, was man gerade braucht. Im weiteren Verlauf des Workshops fanden wir uns in Gruppen zusammen, um verschiedene Stressoren und Stresssymptome zu definieren und für typische Selbstzweifel passsenden Lösungsstrategien zu besprechen. Das Thematisieren von kritischen Gedanken in der Gruppe zeigte mir, wie viele Unsicherheiten man tatsächlich mit anderen Menschen teilt. Besonders eindrücklich war für mich die Erkenntnis, dass man mit den Selbstzweifeln anderer häufig verständnisvoller umgeht als mit den eigenen. Durch diesen wertvollen Austausch hatte ich die Möglichkeit, die Themen Stress und Selbstkritik zu reflektieren und wertvolle Denkanstöße für den Umgang mit belastenden Situationen im Alltag mitzunehmen.
Zum Abend hin versammelten wir uns im Garten, um Sandras Vortrag zu hören. Sie stellte das Projekt der Republik Äthiopien „Grand Ethiopian Renaissance Dam“ (GERD) vor. Der ostafrikanische Binnenstaat hat eine Fläche von rund einer Millionen Quadratkilometern und beherbergt den Tanasee, aus welchem der blaue Nil entspringt. Der blaue und der weiße Nil sind wichtige Wasserquellen für Äthiopien, den Sudan und Ägypten. Das Ziel Äthiopiens ist es, mit einer Talsperre am blauen Nil grüne Energie durch Wasserkraft zu gewinnen. Dieses Projekt löste einen Konflikt mit Ägypten und dem Sudan aus, da Wasser in dieser Region eine begrenzte Ressource darstellt und Äthiopien prinzipiell die Kontrolle über das Wasser hat. Als Studentin der Friedens- und Konfliktforschung griff Sandra folgende Frage auf: Ist Frieden einfach nur kein Krieg? Bedeutet also das Ausbleiben direkter militärischer Auseinandersetzung direkt ein friedliches Leben für die Zivilbevölkerung im Sudan, Äthiopien oder Ägypten? Durch diese Fragen wurden wir dazu animiert den Begriff Krieg zu überdenken. Für Ägypten würde das Ausbleiben der überlebensnotwendigen Ressource Wasser eine existenzielle Bedrohung darstellen, während für Äthiopien eine Einschränkung der wirtschaftlichen Entwicklung erhebliche ökonomische Nachteile bedeuten würde. Ein positiver Frieden wäre dies für die dortigen Menschen definitiv nicht. Wie könnte ein Frieden, den alle als solchen ansehen, aussehen?
Dieser Vortrag gab mir einen ersten Zugang zu dem Konflikt um die Ressource Wasser im Nilbecken. Obwohl die Talsperre erhebliche geopolitische Auswirkungen hat, war sie mir vor dem Vortrag nicht bekannt. Dies bestärkt meinen Eindruck, dass politische Entwicklungen in Ostafrika im europäischen Diskurs häufig weniger Beachtung finden als ihrer Bedeutung vielleicht angemessen wäre.
Den letzten Tag begannen wir mit einem ausgedehnten Frühstück. Stipendiatin Alexa hatte für den Sonntag eine kleine Einführung in essbare Kräuter aus unserer Region vorbereitet. Ich hatte mich darauf besonders gefreut, da ich mich für die Bestimmung von Wiesenkräutern interessiere. Alexa erklärte uns die Merkmale von Spitz-, Mittel- und Breitwegerich, Klee, Löwenzahn, Kamille und Bärlauch. Da das Wetter leider nicht mitspielte, konnten wir keinen gemeinsamen Ausflug nach draußen machen, um nach diesen Pflanzen Ausschau zu halten. Alexa konnte jedoch noch kurzfristig einige Pflanzen von draußen mitbringen, sodass wir unser zuvor erlerntes Wissen über die Merkmale der genannten Gewächse praktisch anwenden konnten.
Insgesamt war es ein sehr schönes und lehrreiches Wochenende. Ich bedanke mich herzlich bei dem Orgateam bestehend aus den Stipendiat*innen Eryka, Lea, Alexa, Benjamin und Mathilda sowie für die Beiträge von Laura Fonzetti, Sandra und Alexa. Mein Dank gilt außerdem dem Stiftungsteam, welches dieses Wochenende ermöglicht hat.



Bilder: © Dr. Arthur Pfungst-Stiftung

Der Berufseinstieg wirft viele Fragen auf. In Gesprächen mit unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten hören wir immer wieder den Wunsch nach Orientierung und dem Austausch mit Menschen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Aus diesem Gedanken heraus ist das Mentoring-Programm der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung entstanden. Eine Vorstellung.
Idee:
Mit dem Mentoring-Programm bringen wir Stipendiatinnen mit Alumni zusammen, die den aktuell Geförderten als Mentorinnen mit ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz sowie gezielten Tipps und Hilfestellungen zur Seite stehen.
Das Mentoring lebt besonders von den Erfahrungen und Perspektiven der Alumni. Viele von ihnen haben den Übergang vom Studium in den Beruf bereits erlebt, unterschiedliche Karrierewege eingeschlagen und wertvolle Erfahrungen gesammelt, die für aktuelle Stipendiatinnen und Stipendiaten eine wichtige Orientierung sein können. Besonders wertvoll sind dabei der offene und ehrliche Austausch, das Teilen persönlicher Erfahrungen und die Möglichkeit, voneinander zu lernen sowie das Netzwerk innerhalb der Stiftung zu stärken. So entsteht zwischen Mentees und Mentorinnen ein bereichernder Dialog über persönliche Wege, berufliche Entwicklungen und neue Perspektiven. Die teilnehmenden Stipendiatinnen gewinnen dadurch mehr Klarheit und blicken dem Berufseinstieg zuversichtlicher entgegen.
Ziele:


Grundsätze:
- Freiwilligkeit: Das Mentoring beruht auf eine freiwillige Teilnahme der Mentees und Mentor*innen.
- Vertraulichkeit: Das Besprochene ist vertraulich und bleibt zwischen Mentee und Mentor*in.
- Gegenseitigkeit: Mentees und Mentor*innen haben die Möglichkeit, Neues zu lernen, Gegebenes zu reflektieren und sich weiter zu entwickeln.
Inhalte:
- Hilfe bei studien- und berufsrelevanten Fragen
- Austausch von Wissen, z.B. zu Unternehmenskultur, Business Knigge, Stress- und Zeitmanagement
- Weiterentwicklung persönlicher Kompetenzen, z.B. durch Potenzialanalyse, Feedback, Ressourcencheck
- Entwicklung von Strategien zur Karriereplanung, Zielerreichung, Motivationsstärkung und Vernetzung
- Unterstützung bei Bewerbungsprozessen
- ggf. Besuch von fachrelevanten Veranstaltungen, Konferenzen; Hospitationen / Praktika (bei den Mentor*innen)

Nutzen:
Mentees:
- Antworten auf Fragen finden, Orientierung erhalten und Unsicherheiten abbauen
- Eigene Stärken und Schwächen besser kennen und einschätzen lernen und Entscheidungen besser treffen können
- Ideen zur Berufsfindung entwickeln, die eigene Karriere zielgerichteter verfolgen und Unterstützung bei Bewerbungsprozessen erhalten
- Einblicke in die Berufswelt erhalten, Kontakte knüpfen und potentielle zukünftige Arbeitgeber finden
Mentor*innen:
- Training sozialer und kommunikativer Kompetenzen
- Einblicke in aktuelle Studiengänge und Forschungsthemen
- Reflexion der eigenen Berufssituation, Erhalt neuer Ideen und Impulse
- Netzwerkaufbau sowie Rekrutierung und Aufbau qualififizierten Nachwuchs für das eigene Unternehmen bzw. die eigene Institution
Für die einzelnen Prozessschritte bietet die Stiftung Arbeits-, Dokumentations- und Evaluationsbögen und steht für Fragen und Anregungen jederzeit zur Verfügung.
Stimmen zum Mentoring

Mentee | Pharmazie, Freie Universität Berlin
»Durch die offene und vertrauensvolle Atmosphäre wurden mir meine Stärken bewusster und ich blicke dem Berufseinstieg zuversichtlicher entgegen.«
»Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig und hilfreich die Unterstützung eines Mentors beim Übergang ins Berufsleben sein kann. Durch regelmäßige Treffen und offene Gespräche mit meiner Mentorin habe ich den richtigen Weg für mich gefunden. Da ich nun erfolgreich im Berufsleben angekommen bin, fungiere ich jetzt selbst als Mentorin.«

Mentorin | Humanbiologin

Mentee | Interdisziplinäre Europastudien, Universität Augsburg
»Meine Mentorin und ich haben uns gleich zu Beginn gut verstanden und ich konnte alle meine Fragen stellen. Wenn ich während des Semesters Rat brauchte, war meine Mentorin immer für mich da und konnte mir bei meinen Karriereunsicherheiten gut weiterhelfen.«
Bildnachweis: © Drazen Zigic, magnific.com (oben); © www.shutterstock.com/garagestock (Abbildung „Mentoring“; © Privat (unten)
