Workshop: Überzeugend argumentieren & souverän auftreten

Im Workshop mit Rhetoriktrainerin Laura Fonzetti lernten Stipendiaten, Argumente klar aufzubauen, sicher mit Einwänden umzugehen und Gespräche souverän zu gestalten. Im Fokus standen dabei vor allem aktives Zuhören, Perspektivwechsel und die Wirkung der eigenen Kommunikation. Wie man seine Argumentationsfähigkeit stärkt und nachhaltig davon profitiert, das verrät uns Trainerin Laura Fonzetti im Interview.

Bild: Dr. Arthur Pfungst-Stiftung / Nadine Zeidler


Interview

Mit Laura Fonzetti

Welche spezifischen Herausforderungen begegnen Studierende oder Berufseinsteiger*innen häufig, wenn es um Argumentation und überzeugende Kommunikation geht?
Viele Studierende und Berufseinsteiger*innen denken zunächst: Wer starke Gründe für die eigene Position hervorbringt, kann besonders gut argumentieren. In Gesprächen zeigt sich jedoch schnell, dass überzeugende Argumentation weniger mit Recht haben zu tun hat als mit Verständigung. Eine Herausforderung ist daher, die Perspektive des Gegenübers wirklich mitzudenken. Wenn wir nur unsere eigene Sicht erklären, ohne darauf zu achten, was für die andere Person wichtig ist, stoßen selbst gute Argumente schnell auf Widerstand. Gleichzeitig erlebe ich in Trainings oft, dass viele Studierende zwar eine klare Meinung haben, sie aber im Gespräch nicht immer ruhig und nachvollziehbar formulieren oder vertreten. Gerade in Seminardiskussionen, Gruppenarbeiten oder beim Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft kann dann schnell Unsicherheit entstehen: Wie gehe ich damit um, wenn verschiedene Meinungen aufeinandertreffen? Wann und wie widerspreche ich? Wie bleibe ich dabei respektvoll? Hinzu kommt, dass Gespräche nie rein sachlich verlaufen. Emotionen, Erwartungen oder persönliche Erfahrungen spielen immer mit hinein. Deshalb ist Argumentation nicht nur eine Frage von Logik, sondern vor allem eine kommunikative Fähigkeit.

Worauf sollten Studierende oder junge Berufstätige besonders achten, wenn sie überzeugend, selbstsicher und authentisch argumentieren möchten?
Argumentation ist kein Monolog, sondern ein Dialog. Überzeugung entsteht selten dadurch, dass jemand besonders viele Argumente vorträgt, sondern vielmehr dadurch, dass das Gegenüber sich wahrgenommen und verstanden fühlt. Hilfreich ist eine einfache Struktur: zuerst den eigenen Standpunkt klar formulieren, anschließend begründen, warum man zu dieser Einschätzung kommt und schließlich ein Beispiel oder eine konkrete Anwendung nennen. Dadurch wird das eigene Argument für andere nachvollziehbar. Gleichzeitig sollte man sich immer fragen: Was könnte für mein Gegenüber wichtig sein? Ein Argument wirkt oft dann besonders überzeugend, wenn deutlich wird, welchen Nutzen oder welche Bedeutung ein Vorschlag für die andere Person haben könnte. Ebenso wichtig ist es, nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie zu achten. Damit ein Argument auf das Gegenüber überzeugend, selbstsicher und authentisch wirkt, sollten Körpersprache, Stimme und Inhalt möglichst im Einklang sein.

 

Laura Fonzetti | Trainerin für Rhetorik, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung

 

»Überzeugende Argumentation hat weniger mit Recht haben zu tun als mit Verständigung.«

 

 

 

 

 

Welche Strategien können helfen, wenn man auf ein Gegenargument stößt, das emotional statt rational vorgebracht wird?
Wenn ein Gegenargument emotional formuliert wird, bringt es meist wenig, sofort mit weiteren sachlichen Argumenten zu reagieren. Häufig steckt hinter einer emotionalen Reaktion ein Anliegen oder eine Sorge, die zunächst wahrgenommen werden möchte. Hilfreich ist es, zuerst zu zeigen, dass man den Einwand gehört hat – zum Beispiel durch Paraphrasieren oder Nachfragen. Das schafft oft schon eine andere Gesprächsatmosphäre. Erst danach lohnt es sich, die eigene Perspektive wieder einzubringen oder das Gespräch zurück auf die Sachebene zu lenken. Gerade bei emotionalen Gegenargumenten geht es also weniger darum, diese direkt zu widerlegen, sondern darum, das Gespräch konstruktiv weiterzuführen.

Wenn man regelmäßig an der eigenen Argumentationsfähigkeit arbeiten möchte, welche Übungen oder Reflexionsmethoden empfehlen Sie?
Eine einfache und sehr wirksame Methode ist die kurze Reflexion nach Diskussionen. Man kann sich zum Beispiel fragen: Was war mein Standpunkt? Welche Gründe habe ich genannt? Habe ich auch berücksichtigt, was für mein Gegenüber wichtig sein könnte? Auch Perspektivwechsel sind eine gute Übung. Man kann sich bewusst überlegen, welche Argumente jemand vertreten würde, der eine andere Meinung hat. Das hilft dabei, unterschiedliche Sichtweisen besser zu verstehen und die eigenen Argumente klarer zu formulieren. Und schließlich gilt: Argumentationsfähigkeit entwickelt sich vor allem durch Übung im Gespräch. Seminardiskussionen, Gruppenarbeiten oder Projektbesprechungen sind gute Gelegenheiten, das eigene Argumentieren bewusst auszuprobieren.

Wie können Workshopteilnehmende langfristig profitieren – z. B. im Studium, bei Praktika oder in Bewerbungssituationen?
Argumentationsfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz, die in vielen Situationen eine Rolle spielt. Im Studium hilft sie beispielsweise dabei, eigene Gedanken in Seminardiskussionen einzubringen oder in Gruppenarbeiten konstruktiv zu Lösungen beizutragen. Auch im Berufsleben wird diese Fähigkeit schnell wichtig. Etwa wenn Ideen vorgestellt, Entscheidungen begründet oder unterschiedliche Perspektiven miteinander abgestimmt werden müssen. Im Workshop geht es deshalb nicht nur darum, besser zu argumentieren, sondern Gespräche bewusster zu führen: zuzuhören, Argumente klar zu strukturieren und mit Einwänden konstruktiv umzugehen. Von diesen Kompetenzen können die Teilnehmenden im Studium, im Berufsleben und auch allgemein im Alltag profitieren.

 

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