Klimaschutz & Klimabildung fördern
Den Klimawandel in seiner Komplexität verstehen
Mit Klimabildung Klimaschutz fördern – das macht „myclimate Deutschland“ mit seinen wirkungs- und lösungsorientierten Bildungsangeboten. Wir haben mit dem Teamleiter Thomas Lanners gesprochen, der aus seiner Sicht einen Blick auf Klimaschutz und die von ihm angeleitete Klimakonferenzsimulation mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten wirft.

Thomas Lanners | Geoökologe, Teamleiter Bildung, myclimate Deutschland; Bild: myclimate Deutschland/Janosch Menger
Im Rahmen von Workshops simulieren Sie zusammen mit den Teilnehmenden eine Klimakonferenz. Wie setzen Sie dies im Planspiel konkret um?
Nach einer Einführung zum aktuellen Stand der Klimaforschung teilen wir die Teilnehmenden in verschiedene Interessengruppen auf, wie Energieunternehmen, Industrie und Wirtschaft, Verkehr und Mobilität, Landwirtschaft, sowie Regierunen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Nach der Einarbeitung in ihre Rolle, entwickelt jede Gruppe spezifische Klimaschutzmaßnahmen, die sie mit der En-ROADS-Software auf ihre Wirksamkeit testen. Durch die Software können die Teilnehmenden die Auswirkungen ihrer Maßnahmen auf den Temperaturanstieg und viele weitere Felder direkt sehen und verstehen, wie verschiedene Maßnahmen zusammenwirken. Am Ende präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse, diskutieren und verhandeln gemeinsam die besten Ansätze für effektiven Klimaschutz.
Was möchten Sie den Teilnehmenden mit der Klimakonferenzsimulation vermitteln?
Durch die Klimakonferenzsimulation möchten wir den Teilnehmenden ein tiefes Verständnis für die komplexen Zusammenhänge zwischen Energie, Landnutzung, Industrie, Verkehr und Politik vermitteln. Sie sollen erkennen, dass effektiver Klimaschutz eine Kombination verschiedener Maßnahmen erfordert und die wirtschaftlichen, sozialen und entwicklungspolitischen Auswirkungen dieser Maßnahmen verstehen. Zudem sollen sie die Bedeutung von Verhandlungen und internationaler Zusammenarbeit erfahren und motiviert werden, sich für evidenzbasierte Klimaschutzlösungen in ihren eigenen Organisationen und Gemeinschaften einzusetzen.
Was haben Sie selbst vom Planspiel mit den Stipendiaten und Alumni mitgenommen?
Mitgenommen habe ich, dass die Diskussionen zwischen den Vertreter*innen der einzelnen Interessensgruppen richtig lebhaft und intensiv waren. Es war nicht einfach, einen gemeinsamen Kompromiss zu finden, ganz so wie das in der Realität einer Klimakonferenz der Fall ist. Das Niveau der Diskussionen war hoch, und einige Teilnehmende konnten tiefes Fachwissen einbringen, was die Qualität der Debatten enorm steigerte. Die Moderation der Diskussionen hat mir viel Spaß gemacht, da die Interaktion mit den gut informierten und engagierten Teilnehmenden bereichernd und inspirierend war.
»Es ist wichtig, dass wir mit angemessener Dringlichkeit aktiv werden und jede und jeden bestmöglich mitnehmen. Durch gemeinsames Lernen kann gemeinsames Handeln entstehen – Bildung ist daher ein großer Hebel.«
Was motiviert Sie, sich für Klimabildung und Klimaschutz zu engagieren?
Was mich motiviert, ist die Tatsache, dass viele Menschen den Klimawandel in seiner Komplexität nicht verstehen und daher weitermachen, als wäre nichts. Es wird beispielsweise als ein Umweltproblem betrachtet, das sich durch einfache Maßnahmen beseitigen lässt – wie ein verschmutztes Gewässer, das man reinigen kann. Leider geht es aber darum, dass wir durch unser Handeln unseren Planeten systematisch und für uns erstmal unumkehrbar aufheizen und das für uns eine existenzielle Bedrohung darstellt. Das ist mittlerweile auch durch Messdaten aus den letzten 150 Jahren bestens dokumentiert. Daher ist es wichtig, dass wir mit angemessener Dringlichkeit aktiv werden und jede und jeden bestmöglich mitnehmen. Durch gemeinsames Lernen kann gemeinsames Handeln entstehen – Bildung ist daher ein großer Hebel. Besonders schön ist es für mich als Referent, wenn ich in unseren Formaten „Aha-Momente“ auslösen kann, wo Menschen zum ersten Mal das Gefühl haben, den Themenkomplex wirklich verstanden zu haben.
Wie kann jeder von uns noch heute für den Klimaschutz aktiv werden?
Ich weiß natürlich aus eigener Erfahrung, dass es oft mühseliger ist, sich für die klimafreundliche Alternative zu entscheiden. Daher würde ich ansetzen bei einfachen Maßnahmen: Machen Sie sich einen wöchentlichen Speiseplan und eine Einkaufsliste, damit zu Hause möglichst wenig Lebensmittel weggeworfen werden. Probieren Sie auch mal Rezepte ohne Fleisch aus. Achten Sie auf eine effiziente Einstellung der Heizung, nutzen Sie für kurze Strecken das Fahrrad und wählen Sie Urlaubsziele aus, die man ohne Flugzeug erreicht. Vor allem: Sprechen Sie mit Familie und Freunden über das Thema und ihre Möglichkeiten. Trotz alledem ist die Politik als erstes in der Pflicht, damit Rahmenbedingungen geschaffen, in der die klimafreundliche Alternative einfach, niedrigschwellig und günstig ist.
Welche Klimaschutzmaßnahmen ergreifen Sie persönlich in Ihrem Alltag?
Ich habe mich vor 5 Jahren von meinem Auto verabschiedet, was mir in meiner derzeitigen Wohnsituation in der Stadt einfach gefallen ist, und nutze Fahrrad & ÖPNV. Für Dienstreisen bin ich ausschließlich per Zug unterwegs. Urlaub mit dem Flugzeug haben wir früher regelmäßig gemacht, die letzten Jahre ging es dann per Zug nach Südfrankreich, Polen, Österreich oder Italien, mitsamt Frau, Kind und Hund. Das geht alles, wenn man gut plant. Aktuell habe ich mir Batterie-Speicher für mein Balkonkraftwerk angeschafft, so kann ich meinen Solarstrom für den Abend und die Nacht speichern, einen Großteil meines Verbrauchs ohne Strom aus dem Netz abdecken und somit auf Dauer viel Geld sparen. Außerdem engagiere ich mich im örtlichen Nachhaltigkeitsverein, mit dem wir Klimaschutzmaßnahmen für das Viertel gemeinschaftlich vorantreiben. Aktuell versuchen wir einen Lastenrad-Verleih umzusetzen. Am Ende macht es am meisten Spaß, wenn man sich zusammentut und gemeinsam die Lebensqualität in seinem Umfeld steigert, mit positiven Effekten für Umwelt und das Klima.