Workshop: Klimakonferenz-Simulation:
Können wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen?
In die Welt der internationalen Klimapolitik eintauchen – das konnten Stipendiat*innen und Alumni beim Workshop mit Thomas Lanners. Stipendiat Benjamin Hahn berichtet von der Klimakonferenz-Simulation an diesem Tag.
Erfahrungsbericht
von Benjamin Hahn
„Kann das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden?“ Diese Frage stand im Mittelpunkt unserer Klimakonferenzsimulation. Unter der fachkundigen Leitung von Thomas Lanners beschäftigten wir uns damit, welche Maßnahmen durchgeführt werden müssen, um die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad bis 2100 einhalten zu können. Im Fokus stand hierbei besonders die Frage, wie sich verschiedene Staaten und Akteure (z.B. aus Politik, Zivilgesellschaft und Industrie) trotz unterschiedlicher Interessen auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können. Deshalb ging es nicht nur darum zu erkunden, welche Maßnahmen am effektivsten sind, sondern auch darum, möglichst viele Interessensgruppen zu überzeugen, diese auch umzusetzen. Doch bevor wir mit unserer Konferenz begannen, gab uns Thomas Lanners eine kurze Einführung in die Thematik des Klimawandels. Dazu zeigte er uns eindrücklich, wie sich die jährlichen Durchschnittstemperaturen und der CO₂-Gehalt der Atmosphäre seit Beginn der Aufzeichnungen verändert haben. Besonders die Frage nach den Folgen der Erderwärmung und deren Verursachung wurde diskutiert, indem wir Daten zu den ausgestoßenen CO₂-Emissionen im internationalen Ländervergleich sowie die Pro-Kopf Emissionen der einzelnen Länder betrachteten, wodurch sich zeigte, dass viele Länder des Globalen Südens weniger Emissionen pro Person verursachen und dass Länder des Globalen Nordens, wie z.B. die USA oder Deutschland, für einen Großteil der kumulierten Emissionen verantwortlich sind.

Benjamin Hahn | Stipendiat, Englische Literaturwissenschaft (Master), Universität Konstanz
»Ein Stimmungsbild unter den Seminarteilnehmern hat gezeigt, dass der Klimawandel ein wichtiges und alltägliches Thema geworden ist und zugleich große Sorgen auslöst.«
Für das Planspiel bildeten wir 8 verschiedene Interessensgruppen: „Länder des Globalen Südens“, „Länder des Globalen Nordens“, „Fossile Energiewirtschaft“, „Klimaaktivist*innen“, „Erneuerbare Energien“, „Land- und Forstwirtschaft“, „Industrie und Handel“ und „Mobilität und Transport“. Als Grundlage für die Konferenz erarbeiteten wir die Hauptinteressen und -sorgen der einzelnen Akteure und überlegten, welche Maßnahme vorgeschlagen werden könnten, um die Erderwärmung zu begrenzen. Diese bildeten unsere Verhandlungsposition für die Konferenz. So vertraten wir in der Gruppe „Mobilität und Transport“, beispielsweise die Interessen der Automobil-, Schiffs-, Flugzeughersteller sowie der Transport- und Logistikunternehmen wie die Deutsche Bahn. Stellvertretend für diese Akteure waren wir grundsätzlich bereit für eine Umstellung auf erneuerbare Antriebe, hatten jedoch Sorge vor einer zu schnellen und starken CO₂-Bepreisung und einem Anstieg der Kosten. Als Basis für die späteren Verhandlungen und zur Evaluation der Wirksamkeit unserer Maßnahmen, stellte uns Thomas Lanners das Simulationsprogramm EN-Roads vor, welches basierend auf aktuellen Entwicklungen ein Szenario für die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 aufzeigt.Zusätzlich lassen sich hier zahlreiche Parameter wie etwa die Zusammensetzung unserer Energieversorgung, die Anzahl von Elektroautos, der Grad der Aufforstung oder das Bevölkerungswachstum anpassen, um nur einige zu nennen. In EN-Roads zeigt sich, wie diese Parameter den Temperaturanstieg, aber auch den CO₂-Gehalt der Atmosphäre, den Anstieg des Meeresspiegels, die Energiekosten und vieles mehr beeinflussen. Dadurch konnten wir genau vorhersagen und beobachten, wie sich die vorgeschlagenen Maßnahmen auf das Klima und die Erderwärmung auswirken würden.
Für die simulierte Klimakonferenz stellte jede Interessensgruppe nacheinander eine Maßnahme vor, wie man dem Klimawandel am besten entgegenwirken kann, ohne die eigenen Interessen zu verletzen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden in EN-Roads eingegeben und von allen auf ihre Vor- und Nachteile hin diskutiert. Dabei kam es oft zu gegensätzlichen Meinungen und lebhaften Diskussionen sowie zu Anpassungen der vorgeschlagenen Maßnahmen, um die anwesenden Vertreter*innen doch noch zu überzeugen. Bei der anschließenden Abstimmung musste es zu einer einfachen Mehrheit (4 von 7 Gruppen) kommen. Nur dann wurde eine Maßnahme als Teil unseres Maßnahmenkataloges aufgenommen. Die Aufforstung von Waldflächen erhielt beispielsweise breitere Unterstützung als die Erhöhung der CO₂-Bepreisung, welche sich hier als die wirkungsvollste, aber auch kontroverseste Maßnahme herausstellte und zunächst abgelehnt, jedoch später in abgewandelter Form angenommen wurde. Nach langen Diskussionen haben wir es am Ende durch einen Maßnahmenkatalog in unserer Simulation geschafft, den Anstieg des CO₂-Gehaltes der Atmosphäre deutlich zu verlangsamen.
Der Workshop hat uns einen nachhaltigen Einblick in die Welt der Klimapolitik gegeben und gezeigt, wie kompliziert es ist, verschiedene Interessen und Vorschläge abzuwägen und als Gruppe einen gemeinsamen Konsens zu erreichen. Dies hat uns vor Augen geführt, warum es oft so schwierig ist, sich international auf ein gemeinsames Vorgehen gegen den Klimawandel zu einigen. Auch wenn eine Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zunehmend unwahrscheinlicher erscheint, blicke ich vorsichtig optimistisch in die Zukunft, denn die Konferenz-Simulation hat uns gezeigt, dass es nicht unmöglich ist – wenn wir es schaffen, uns zu einigen!